Unterrichtentwicklung und Lehrer*innenbildung

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Forschungsschwerpunkt
Unterrichtsentwicklung und Lehrer*innenbildung

 

Kurzcharakteristik

Gegenstand: Womit wir uns beschäftigen

Die Mitarbeiter*innen am Forschungsschwerpunkt fokussieren den Schulunterricht und die Lehrer*innenbildung im Fach Bewegung und Sport als zwei zentrale Forschungsfelder im Schnittfeld von Schule, Hochschule und Bewegungskultur. Im Zentrum stehen Fragen der Professionalisierung und Professionalität von Bewegungs- und Sportlehrer*innen, das Verstehen und Gestalten von Bewegungs- und Sportunterrichtsprozessen, die Entwicklung und Implementierung von Curricula und Bildungsstandards, die Entwicklung, der Einsatz und die Reflexion von Forschungsmethoden sowie die Reflexion des damit verbundenen Menschenbildes.

Ziel: Was wir anstreben

Das Ziel besteht darin, einen substanziellen Beitrag zur Entwicklung des Faches Bewegung und Sport in Österreich zu leisten. Dies betrifft insbesondere auch die Qualitätssicherung und Stärkung des Sportlehrer*innenbildungsstandortes Salzburg. Außerdem werden Forschungsansätze und -ergebnisse in die deutschsprachigen Schulsport-, Unterricht- und Lehrer*innenbildungsdiskurse eingebracht sowie internationale Anschlüsse hergestellt.

Wissenschaftliche Perspektive: Wie wir forschen

Wir integrieren empirische (Was geschieht? Wie geschieht es? Zusammenhänge, Einflüsse, Konsequenzen, Wirkungen?), normative (Was ist zu tun? Wie ist es zu tun? Warum und Wozu?) sowie (selbst-)reflexive (z. B. Frage nach impliziten Setzungen) Zugangsweisen. Grundlage ist ein sozialkonstruktivistisches und praxeologisches Verständnis von Lernen und Unterricht, das u. a. subjektivierungs-, bildungs-, professionalisierungs- und kompetenztheoretisch konkretisiert wird. Dabei kommen sowohl qualitative als auch quantitative Erhebungs- und Auswertungsverfahren zum Einsatz (z. B. episodisch-narrative Interviews, Ethnographie und Teilnehmende Beobachtung, Videographie und Videoanalyse, hermeneutische Analysen, Dokumentarische Methode, Grounded Theory, Fragebogenerhebungen, psychometrische Tests, multivariante statistische Verfahren, klassische und probabilistische Testtheorie).

Themen: Forschungslinien, die wir bearbeiten

Die Untersuchungen des Forschungsschwerpunkts fokussieren aktuelle und relevante Aspekte der genannten Gegenstandsbereiche unter folgenden thematischen Linien und Schwerpunktsetzungen:

Fach- und Unterrichtskultur: Lehr-/Lernkultur, Aufgabenkultur, Reflexion

Die Forschungslinie untersucht kulturelle Prozesse und Ordnungen in Hochschule, Schule und Unterricht als Ermöglichungsgrund und Kontext von fachlicher Bildung. Dies betrifft Vorgänge, Praktiken und Formen der Herstellung und (auch biographischen) Tradierung von (impliziten) Wissensordnungen, geteilten Sinnmustern und Bedeutungskonstruktionen als gelebte soziale Praxis des Fachs. In dieser Perspektive werden erstens Kulturen des Lehrens und Lernens in unterschiedlichen Settingsanalysiert. Zweitens werden Fragen zur Genese und Spezifik sportdidaktischer Vermittlungsprozesse im Rahmen von Aufgaben und Aufgabenstellungen bearbeitet. Drittens werden Praktiken des Reflektierens empirisch untersucht, um Theorie-Praxis-Relationen sowie Möglichkeiten und Wirklichkeiten reflektierter Praxis besser verstehen und gestalten zu können.

Gruppe und Individuum: Kompetenz, Emotionen, Diagnostik

Im Zentrum steht die theoretische und empirische Auseinandersetzung mit individuellem Lernen und zwischenmenschlichen Prozessen und Strukturen in Schule und Hochschule. Im Rahmen der Forschungslinie nehmen Kompetenz(-orientierung) und Emotionen in enger Anlehnung an die Idee fachlicher Bildung sowie Diagnostik in Bewegung und Sport einen zentralen Stellenwert ein. Wir verstehen Sportunterricht und Sportlehrerbildung als ‚besonderen‘ emotionalen Erfahrungsraum und beforschen in aktuellen Projekten auf Bewegungssachen bezogenes emotionales Erleben und Handeln, den Einfluss biographischer Erfahrungen auf sachbezogene Emotionen und Konstruktionen des Fach- und Unterrichtsverständnisses sowie unterrichtliches und hochschuldidaktisches emotionales Beziehungsgeschehen. Darüber hinaus geht es um die Verortung von Emotionsregulation als didaktisches Element im kompetenzorientierten, mehrperspektivischen Sportunterricht.

Mensch und Gesellschaft: Digitalisierung, Demokratiebildung, Nachhaltigkeit

Das übergeordnete Ziel ist ein fachlicher Beitrag zur Gestaltung gegenwärtiger und zukünftiger gesellschaftlicherAufgaben. Ausgangs- und Ansatzpunkt der empirischen Untersuchungen sowie anwendungsorientierten Arbeiten in den oben genannten Gegenstandsfeldern sind Körperlichkeit, Bewegung und Sport als Medien einer ästhetisch-expressiven Selbst- und Weltbegegnung. Vor diesem Hintergrund fokussieren aktuelle Projekte erstens die Analyse von Digitalisierungsprozessen sowie die Befähigung zu ihrer kritisch-reflexiven Mitgestaltung.  Damit verbunden und darüber hinaus werden zweitens Fragen der Bestimmung und Förderung sportunterrichtlicher, demokratischerPraxen im Horizont allgemeiner und fachlicher Bildung bearbeitet. Drittens geht es um die Erforschung sowie Inszenierung einer BildungfürnachhaltigeEntwicklung.

Methodologien und Methoden: qualitativ, quantitativ, triangulativ

Die Forschung zielt auf die fachliche Weiterentwicklung und kritische Reflexion von Forschungsmethoden und Methodologien. Methoden werden als Verfahrensweisen im Prozess der Erkenntnisgenerierung verstanden und Methodologien als deren Hintergründe, Voraussetzungen und Begründungszusammenhänge. Fragen sind u. a., wie sich die oben benannten Forschungsfelder in ihrer fachlichen Spezifik methodisch angemessen untersuchen lassen, wie bestimmte (pädagogisch, didaktisch) normative Aufgaben, empirisch-analytische Interessen, Hintergrundtheorien, Datensorten und konkrete methodische Verfahren miteinander zu relationieren sind, oder wie sich der Einfluss (eigener) fachkultureller Orientierungen im Forschungsprozess methodisch handhaben lässt. Im Fokus stehen sinnverstehende, interpretative und rekonstruktive (qualitative) sowie evidenzbasierte (quantitative) Zugänge; außerdem triangulative Vorgehensweisen, verstanden als Formen des systematischen In-Beziehung-Setzens unterschiedlicher Perspektiven und Relevanzzusammenhänge, die z. B. durch unterschiedliche Methoden oder Datensorten konstituiert werden.